Wird die „letzte Meile“ in der Logistik kürzer?

Author: John Hardy

Im Februar 2005 startete Amazon Prime – das „All-You-Can-Eat“-Programm mit Expresslieferung von Abermillionen Produkten für seine Mitglieder. Das Unternehmen hatte die Vision, dass schnelle Lieferungen am nächsten Tag die Norm sein sollten, nicht die Ausnahme. Zu einer Zeit, als Kunden noch mit durchschnittlich vier bis sechs Werktagen Wartezeit für ihre Bestellung rechneten, war Amazon Prime revolutionär.

Seither ist viel passiert. Andere Händler zogen rasch nach und bieten heute ebenfalls Lieferungen am nächsten Werktag an, womit diese für viele Kunden zum Standard geworden sind, die heute nicht nur Schnelligkeit, sondern auch eine bequeme Auswahl von Lieferzeit und -ort für ihre Artikel verlangen. Dies beinhaltet beispielsweise die Zustellung an einen Nachbarn, Click-and-Collect in der Filiale, die Änderung des Lieferdatums, die Angabe eines Lieferzeitraums von nur einer Stunde oder – wie es Amazon schafft – die Lieferung von Artikeln innerhalb von einer Stunde nach der Bestellung.

Dieses Rennen um Liefergeschwindigkeit und Kundenzufriedenheit hat einen Dominoeffekt auf die Logistikbranche. „Viele Händler können bis Mitternacht Bestellungen entgegennehmen, sodass die Zeit, um Produkte vom Internethändler zum lokalen Vertriebszentrum und weiter zu einem Paketzusteller zu bringen, wesentlich kürzer ist“, erklärt Mark McVicar, Transportanalyst bei der Barclays Bank.

Und es wird noch komplizierter, wenn man bedenkt, dass Prognosen zufolge die Welt bis 2030 auf 41 Megastädte mit zehn Millionen Einwohnern und mehr anwachsen wird. Die Verstädterung und das rasante Bevölkerungswachstum setzen die Unternehmen unter Druck, tagtäglich Millionen von Artikeln zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu liefern.

Logistikunternehmen reagieren darauf mit immensen Investitionen in Technologie, von physikalischen Maschinen bis hin zu Software, um vor allem die letzte Phase der Lieferung – die entscheidende „Letzte Meile“ – so effizient wie möglich zu gestalten.

DPD, die Transporttochter des staatlich geförderten französischen Unternehmens La Poste, berechnet mithilfe von Technologie eine optimale Lieferroute für die Paketladung jedes einzelnen Fahrers. Die Kunden erhalten dann eine Nachricht mit einem einstündigen Zeitraum, in dem das Paket zugestellt wird – eine erhebliche Verbesserung gegenüber früher, als die Fahrer jeden Morgen ihren Plan austüfteln und die Kunden den ganzen Tag auf ihre Lieferung warten mussten.

British Royal Mail bietet noch kein einstündiges Zustellungsfenster – die Empfänger werden stattdessen bis zu 90 Minuten vor der Ankunft informiert –, hat aber innovative Geräte eingeführt wie Fingerscanner, mit denen die Mitarbeiter Pakete effizienter entgegennehmen und scannen können. Dadurch kann ein größerer Teil der von British Royal Mail bearbeiteten Pakete maschinell sortiert, etikettiert und verfolgt werden.

In Deutschland hat sich DHL mit Daimler zusammen getan, um einen vollkommen neuen Ansatz für die „Letzte Meile“ zu entwickeln. Das im September anlaufende „Smart Ready To Drop“-Prototypprogramm erlaubt den Besitzern von Smart Cars, ihre Fahrzeuge als mobile Adressen für DHL-Lieferungen anzugeben. Fahrzeugbesitzer und DHL-Kurier kommunizieren per Smartphone, um das Smart Car als mobile Adresse festzulegen, das der Kurier dann innerhalb eines festgelegten Zeitraums auf- und zusperren kann. So wird der Kofferraum des Fahrzeugs zu einem sicheren Postfach, über das DHL auch Rücksenden entgegennehmen kann.

Und Amazon? Das Unternehmen testet bereits die Paketzustellung per Drohne. Das Programm steckt noch in den Kinderschuhen, aber Amazon hofft, dass innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre die kleinen, unbenannten Fluggeräte Pakete in einem Radius von zehn Meilen um seine Lager innerhalb von einer halben Stunde ausliefern können.

Mit seinem Hardware- und Software-Know-how findet Panasonic ständig neue Wege, um die Effizienz in der Branche zu erhöhen. Von einer intelligenten Lagerlösung, die Zugriff auf visuelle Bewegungsdaten von Paketen innerhalb eines Lieferzentrums bietet, sodass mehr Pakete fristgerecht geliefert werden ...  ...bis zu robusten mobilen Lösungen, die die zahlreichen Geräte rationalisieren, die die Fahrer für ihre alltäglichen Zustellungsaufgaben benötigen.

Diese intelligenten Technologielösungen machen die „letzte Meile“ Schritt für Schritt kürzer.

Empfohlenes Bild: https://pixabay.com/en/package-packaging-shipping-carton-1511683/

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