Der Einzelhandel vor einem neuen Jahrzehnt des Wandels

Author: Sean Taylor, Head of Retail Solutions UK


2010, das ist doch gar nicht so lange her, oder? Doch in Wirklichkeit hat sich seither eine ganze Menge getan, und damit meine ich nicht die paar Fältchen im Gesicht.

Vor zehn Jahren war ich Teil des eigens für Olympia eingerichteten Panasonic-Büros in London. Die Bereitstellung von A/V-, Sicherheits- und Übertragungstechnik für die Spiele 2012 lag in unserer Hand.

Seitdem habe ich sechs Kontinente bereist, einen Umzug gemeistert und geheiratet. Meine Tochter besucht mittlerweile die Oberstufe, und das beginnende Ergrauen meines Hauptes lässt sich nicht mehr verleugnen.


Und was ist im Einzelhandel passiert?


Auch die Einzelhandelsbranche wurde von einem Wandel erfasst, der sich ausgesprochen radikal vollzieht. Der E-Commerce hat den Sektor geradezu überschwemmt. Amazon, schon 2010 ein ernstzunehmender Faktor, baut seine Dominanz weiter aus. Mehr Waren denn je kaufen wir bequem vom heimischen Sofa aus, und auf unseren vernetzten Geräten machen wir dabei auch vor den alltäglichsten Dingen nicht halt – Zahnpasta und Klopapier wandern in den elektronischen Einkaufskorb.

Und was machen die guten, alten Ladengeschäfte? Sie wandeln sich natürlich auch. Ein gutes Beispiel dafür sind die Kundentreue-Programme. Wir Briten kennen diese schon eine ganze Weile, doch sie warten mit Neuerungen auf. Die Nectar Card von Sainsbury etwa wurde im Jahr 2002 eingeführt. Mittlerweile wird die violettfarbene Karte von ca. 18 Millionen registrierten Kunden genutzt. Rund 30 Unternehmen sind an dem britischen Programm beteiligt, das nun auch auf dem europäischen Kontinent Fuß fasst. Und natürlich ist auch hier die Digitalisierung nicht weit: So lässt eine App Kunden individuelle Angebote zukommen, die auf ihrem Kaufverhalten basieren. Indessen funktioniert die Karte eines anderen Programms, die Tesco Club Card, seit 2017 kontaktlos. Die integrierte App sorgt dafür, dass die Kunden mit einem einzigen Scan sowohl bezahlen als auch Treuepunkte sammeln.

So schlagen diese Apps eine Brücke zwischen der physischen und der digitalen Einkaufswelt. Ich halte das für eine bedeutsame Entwicklung. Die Erfolgsgeschichte des E-Commerce ist untrennbar mit steigenden Kundenerwartungen verbunden. Das wiederum erhöht den Druck auf traditionelle Einzelhändler immens, weshalb diese nun auf wohl abgestimmte Multi-Channel-Präsenzen setzen. Schnell, einfach, praktisch – so etwa könnte die Erfolgslosung lauten.


Was also bringt die Zukunft?


Immer mehr Kunden kaufen per Smartphone ein und zahlen auch damit. Was könnte also der nächste Schritt für Einzelhändler und ihre Treueprogramme sein? Der Einzelhandelssektor investiert weiterhin in mobile Apps. Augmented bzw. Virtual Reality und Gesichtserkennung sind dabei heiße Themen; die Berücksichtigung dieser Technologien bei künftigen Treueprogramm-Apps erscheint nur logisch.

Auch in unserem Alltag ist uns die Gesichtserkennung nicht mehr fremd. Schon jetzt entsperren viele Menschen ihr Mobiltelefon damit. Ebenso ist es schon zur Gewohnheit geworden, am Flughafen E-Gates zu passieren. Es gibt sogar Apps, die uns auf der Grundlage unseres Gesichts verraten, wie wir in ein paar Jahrzehnten aussehen werden – nur für den Fall, dass wir das wissen wollen.


Mit Gesichtserkennung zum VIP-Kundenerlebnis


Doch was könnte Gesichtserkennung dem Einzelhandel bringen? Eine Möglichkeit wäre in dieser Hinsicht die Aufwertung von Treueprogrammen zu VIP-Kundenerlebnissen. Stellen Sie sich das einmal so vor: Sie betreten ein Geschäft. Die Gesichtserkennung identifiziert Sie, und die Mitarbeiter werden entsprechend informiert, um Sie individuell zu beraten. Ihr Gesicht verschafft Ihnen Zutritt zu einem exklusiven VIP-Bereich. Zum Bezahlen brauchen Sie sich dann gar nicht erst anstellen: Das Unternehmen kennt Sie schließlich und bucht den fälligen Betrag von Ihrem Konto oder Ihrer Kreditkarte ab. Die Vorlage einer Karte oder Ihres Smartphones entfällt. Eventuell möchten Sie nach dem Einkauf Ihre Taschen gar nicht quer durch die Stadt schleppen, sondern lieber später abholen. Kein Problem: Ihre Waren werden in einem praktischen Schließfach verwahrt, das Sie später, natürlich mit Gesichtserkennung, wieder öffnen können. Ihr gesamtes Einkaufserlebnis wird präzise auf Ihre Bedürfnisse und Vorlieben abgestimmt.

Und wie sieht es mit der technischen Machbarkeit aus? Mit dem Deep Learning-Gesichtserkennungssystem FacePro™ bietet Panasonic eine äußerst präzise Technologie für den Gesichtsabgleich an. Diese erkennt Personen auch dann, wenn ihr Gesicht teilweise verdeckt ist, zum Beispiel durch eine Sonnenbrille, oder wenn das Gesicht in einem Winkel erfasst wird, der von den Referenzbildern abweicht. Damit nicht genug: FacePro™ kann sogar „in die Zukunft sehen“. Genauer gesagt, es kann vorhersagen, wie die registrierten Menschen in 10 Jahren aussehen.

Werden wir also 2030 qua Antlitz einkaufen und unsere Kundenkarte alle 10 Jahre erneuern, so wie wir das von unseren Ausweisdokumenten gewohnt sind? Schwer zu prognostizieren. Zumindest liefert dieses Szenario Stoff zum Nachdenken, und ich sehe gespannt den Veränderungen entgegen, die in den nächsten Jahren auf uns warten.

In der Zwischenzeit können Sie sich hier über FacePro™ informieren.
Und hier erfahren Sie wie diese Technologie bereits praktisch angewendet wird, nämlich bei der Bekämpfung von „Warenschwund“ – durch die Erkennung bereits bekannter Ladendiebe.