Micro hubs: big in Japan

  • Veröffentlicht am 15. März 2019
  • Autor: Edin Osmanovic

Micro Hubs stellen eine attraktive Logistiklösung für verkehrsbelastete Stadtgebiete dar. Man muss sie sich als kleine, teilweise temporäre Verteilzentren innerhalb des Stadtgebiets vorstellen. Lieferwagen laden dort Pakete ab, die anschließend von lokalen Kurieren für die „letzte Meile“ der Lieferung abgeholt werden. Wie in meinem vorausgehenden Blog-Artikel angekündigt, möchte ich nun noch einmal genauer darauf eingehen, wie diese geniale Lösung in Japan genutzt wird.

Ein logistischer Albtraum

Japan ist aus logistischer Sicht eine der problematischsten Regionen der Welt. Die Städte platzen aus allen Nähten. Verkehrschaos, Raumnot und starke Luftverschmutzung sind die Folge, während ländliche Gebiete entvölkern und eine profitable Versorgung dort immer schwieriger wird. Hinzu kommt ein hart umkämpfter Arbeitsmarkt, verursacht durch die alternde, schrumpfende Bevölkerung. Diese Entwicklung lässt sich bereits seit Längerem beobachten und bereitet der Inselnation zunehmend Probleme.

„Think Small“ – kleinteilige Lösungen machen den Unterschied

Es überrascht daher nicht, dass Japan als eine der ersten Nationen bereits vor fast zwei Jahrzehnten Micro Hubs einführte. Diese Hubs, die in Japan „Satellitenzentren“ genannt werden, sind kleine, enge Büros ohne Parkmöglichkeit für herkömmliche Straßenfahrzeuge. Lieferwagen laden frühmorgens Container mit vorsortierten Paketen ab. Die Pakete werden anschließend abgeholt und mit „Threetars“ (E-Bikes mit Kühlbox und Anhänger) zum Empfänger geliefert. Als größter Paketlieferdienst Japans begann Yamato Transport 2002 mit der Einführung dieser E-Bikes. Ende 2008 zählte die Flotte des Unternehmens schon 1.300 Threetars, die in urbanen Gebieten wie Tokio und Osaka zum Einsatz kommen. Gegenwärtig bestreitet Yamato 15 Prozent seiner Hauszustellungen mit Threetars, die sich besonders in dicht bebauten Bereichen mit knappen Parkplätzen bewährt haben.

In städtischen Außenbezirken gilt eine Sondervereinbarung mit den Betreibern des öffentlichen Nahverkehrs, nach der Zusteller ihre Lieferwagen an nicht besetzten Bushaltestellen parken und die Container mit den Paketen für die Nachbarschaft abladen dürfen. An den jeweiligen Abladepunkten warten dann die E-Bike-Kuriere, um die Container für ihre Tour aufzunehmen. Mit dieser Methode lässt sich verfügbarer Raum intelligent umnutzen.

Darüber hinaus leistet der öffentliche Nahverkehr durch den Transport von Paketen in Bussen und Zügen auch einen Beitrag zur Lösung der Versorgungsprobleme im ländlichen Raum. Für beide Seiten ergibt sich daraus eine Win-Win-Situation. Die Lösung trägt zur Kostendeckung für den Betrieb gering frequentierter Nahverkehrsrouten bei und minimiert zugleich den Bedarf an Lieferwagen und Arbeitskräften für die Belieferung des jeweiligen Gebiets.

Die Vorteile auf einen Blick

Die Einführung von Micro Hubs und Transport-E-Bikes hilft bei der Lösung vieler Probleme in den Ballungsräumen Japans. Zum einen findet sich für kleine Verteiler-Hubs leichter ein geeigneter Standort in überfüllten Stadtgebieten. Zum anderen sorgen Threetars für weniger Verkehr und Abgase in der Stadt. Darüber hinaus benötigen ihre Fahrer keinen Führerschein, was den Kreis der verfügbaren Kandidaten deutlich erweitert.

„Hands-free Travel“ – gepäckfrei reisen

Neben Micro Hubs und Threetars gibt es noch weitere zukunftsweisende Logistiklösungen im Land der aufgehenden Sonne, z. B. einen Service für gepäckfreies Reisen. Koffer und andere große Gepäckstücke werden vom Flughafen zum ersten Hotel, weiter zu den nächsten Hotels und vom letzten Hotel wieder zum Flughafen transportiert. Reisende können also ihr Gepäck einfach abladen und sofort mit ihren Besichtigungen beginnen. Durch die reduzierte Anzahl von Passagieren mit großen Gepäckstücken in Zügen und Bussen werden überfüllte öffentliche Transportmittel entlastet und die Sicherheit verbessert. Der Service ist eine gemeinsame Initiative von Yamato, Panasonic und JTB Corporation, der größten Reiseagentur Japans.

Wie in Japan, so in Europa

Mit dem Einsatz in Japan haben Micro Hubs ihre Bewährungsprobe bereits bestanden und erfolgreich ihr Potenzial unter Beweis gestellt, auch an anderen Orten eingesetzt zu werden. Vor allem Europa steht hier im Fokus, dessen Staaten sich immer stärker um eine Reduzierung der CO2-Emissionen bemühen. Bei Fragen oder Interesse an weiteren Informationen zu innovativen Logistiklösungen dieser Art kontaktieren Sie mich gerne unter edin.osmanovic@eu.panasonic.com