Micro Hubs – kleine Hubs für große Wirkung

Author: Edin Osmanovic

Am 17. und 18. Oktober 2018 fand in Berlin der 35. Deutsche Logistik-Kongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL) statt. Dabei handelt es sich um eines der bedeutendsten Events der Logistikbranche in Deutschland, und ich hatte Gelegenheit, dabei zu sein. Zwei Tage lang befassten sich Logistikunternehmen sowie deren Lieferanten und Serviceanbieter mit den aktuellen Herausforderungen der Branche. Auch mögliche Lösungen wurden besprochen, die ihre Praxistauglichkeit zum Teil bereits erfolgreich unter Realbedingungen bewiesen haben.  

Das Problem der letzten Meile

Besondere Aufmerksamkeit fanden die „letzte Meile“ der Lieferkette und die auf dieser Strecke zu überwindenden Schwierigkeiten, insbesondere in Ballungsräumen. Viele der Vorträge , die ich besuchte, widmeten sich diesem Schwerpunktthema und entfachten damit interessante Diskussionen. Dies war nicht überraschend, ist doch die letzte Meile oft der teuerste und zeitaufwendigste Teil des Lieferprozesses. So haben Lieferdienste zu den Hauptlieferzeiten beispielsweise oft mit starkem Verkehr zu kämpfen – in Deutschland werden 50 Prozent der Pakete zwischen 7 und 12 Uhr ausgeliefert – und stehen unter wachsendem Druck, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Zusätzlich verschärfen sich die Kosten und Ineffizienzen der letzten Meile durch das steigende Volumen an geringwertigen Sendungen des Online-Handels.

Was also können Logistikunternehmen tun, um diesen Problemen zu begegnen und sicherzustellen, dass ihre Pakete auf umweltfreundliche und kosteneffiziente Weise pünktlich beim Empfänger ankommen?

Kleine Maßnahme, große Verbesserung

Prof. Uwe Clausen (Fraunhofer Institut) lieferte in seiner Präsentation aufschlussreiche Informationen zur Logistik in großen Ballungsräumen. Eine der von ihm aufgezeigten Lösungsmöglichkeiten faszinierte mich besonders: Micro Hubs. Es handelt sich dabei um Miniatur-Logistikzentren innerhalb des Stadtgebiets. Sie stellen eine interessante Alternative zur derzeit gängigen Praxis der Zusteller dar, zwischen den großen Logistikzentren am Stadtrand und der verkehrsbelasteten Innenstadt – oft mehrmals täglich – hin- und herzufahren.

 Stattdessen sollen nun alle Pakete von den größeren Lieferwagen an bestimmten Standorten in der Innenstadt abgeladen und von lokalen Kurieren anschließend an diesen Micro Hubs abgeholt werden. Die Kuriere setzen die Lieferung dann zum Beispiel zu Fuß oder per (E-)Bike fort, womit das Parkproblem schon einmal gelöst wäre. So werden der innerstädtische Verkehr reduziert, der ökologische Schaden verringert und die Fahrtdauer der Zusteller verkürzt, da sie nicht mehr zu Stoßzeiten aus der Stadt heraus und wieder in die Stadt zurückfahren müssen. Durch Minimierung der Zustellerfahrten im starken Innenstadtverkehr können Logistikunternehmen außerdem ihre Kosten reduzieren und schneller liefern. Ich sehe dies als Win-Win-Situation für alle Seiten. Zudem bieten Micro Hubs potenziell die Möglichkeit des „Hub-Sharing“ und der Ressourcenbündelung, wenn sich andere Logistikunternehmen bereiterklären, zusammenzuarbeiten bzw. von Drittanbietern betriebene Hubs zu nutzen.

Micro Hubs sind keine rein theoretische Lösung, sondern wurden bereits in Hamburg, Frankfurt, Dortmund und Berlin getestet. Auch leisten sie in Japans dichtbevölkerten Städten seit über 20 Jahren wertvolle Dienste auf der letzten Meile der Lieferkette.

 Dieses und viele andere Themen kamen in den Diskussionen auf dem BVL-Kongress zur Sprache und lassen sich kaum in einem einzigen Blog unterbringen. Deshalb möchte ich in den nächsten Blogs noch weiter auf die Inhalte dieses für mich persönlich sehr informativen und aufschlussreichen Kongresses eingehe