Smart-Store-Technologien: die Situation des Einzelhandels in Deutschland

Der digitale Wandel im Einzelhandel ist in vollem Gang: IoT, künstliche Intelligenz und Co. eröffnen ganz neue Möglichkeiten. Doch trotz aller Dominanz von Bits und Bytes kommt dem (smart aufgemachten) Ladengeschäft immer noch eine wichtige Rolle zu. Kanalübergreifende Lösungen machen es möglich. Sie lassen die Grenzen zwischen Online- und In-Store-Handel zerfließen.

Vor diesem Hintergrund erstellte Panasonic Business Europe in Zusammenarbeit mit dem EHI Retail Institute in Köln ein Whitepaper für unsere In-store Insights-Serie. Das Dokument stützt sich auf verschiedene EHI-Umfragen/-Untersuchungen und beschreibt detailliert die Situation des Einzelhandels in Deutschland.

Die Situation 2018

Beginnen wir mit den vom Handelsverband Deutschland (HDE) veröffentlichten Zahlen. Von 2017 bis 2018 verzeichnete der Einzelhandel insgesamt ein Wachstum von ca. 2 Prozent, was hauptsächlich auf den Online-Verkauf zurückzuführen ist, der deutlich stärker zulegte (9,7 Prozent) als das Ladengeschäft (1,2 Prozent). Was jedoch den Umsatz betrifft, entfällt der Löwenanteil mit fast 90 Prozent (469,7 Mrd. Euro von insgesamt 523,1 Mrd. Euro) nach wie vor auf den In-Store-Handel. Das Online-Geschäft ist in Deutschland außerdem je nach Marktsegment sehr unterschiedlich ausgeprägt und spielt zum Beispiel bei Büchern und Verbraucherelektronik eine deutlich größere Rolle als bei Lebensmitteln und Möbeln.

Der In-Store-Handel wird digital

Hinzu kommt, dass digitaler Handel sich nicht nur auf Internetkäufe beschränkt. Der deutsche Einzelhandel wagt sich auch in seinen Ladengeschäften langsam in die digitale Dimension vor, steht dabei aber noch am Anfang. Zumindest bei den großen Marktplayern sind die ersten Schritte getan. Das EHI beispielsweise stellte fest, dass viele Handelsketten bereits mit neuen Technologien wie standortbezogenen Diensten, Robotik und IoT arbeiten (je 38, 32 und 28 Prozent der Befragten). Etwa ein Drittel der Einzelhändler plant in naher Zukunft die Einführung von künstlicher Intelligenz oder Chatbots, während an Blockchain- und Sprachtechnologien sehr wenig konkretes Interesse besteht.

Die Rolle von Ladengeschäften im kanalübergreifenden Einzelhandel

Kanalübergreifende Lösungen, d. h. die Kombination von In-Store- und Online-Handel, rücken immer mehr in den Fokus. Online-Shops versuchen das physische Erlebnis miteinzubinden, insbesondere durch Einkaufsmodelle wie „Klicken & Abholen“, „In-Store-Rückgabe“ und „In-Store-Bestellung“, wobei sich bislang nur Ersteres flächendeckend durchgesetzt hat. Daneben erhoffen sich Ladengeschäfte von der Einführung neuer Technologien ein intensiveres Markenerlebnis beim physischen Einkauf.

72 Prozent von ihnen erproben hierzu verschiedene Möglichkeiten, ihren Kunden zusätzliche Informationen zu Produkten oder Angeboten bereitzustellen. Viele sehen auch in der Anpassung an das veränderte Einkaufsverhalten und die neuen Kundenerwartungen eine Chance (58 Prozent) bzw. möchten sich ein Image als zeitgemäßes Unternehmen aufbauen (54 Prozent).

Digitale Verkaufsstrategien

Welche Arten von digitalen Lösungen setzen sich im In-Store-Bereich durch? Displays und Videowalls sind bereits fest etabliert und in rund zwei Drittel der Geschäfte zu finden, gefolgt von freistehenden Terminals, mit 40 Prozent ebenfalls weit verbreitet. Sie werden hauptsächlich als Leitsysteme oder interaktive Servicepoints eingesetzt und bieten eine Möglichkeit, Online- und In-Store-Geschäft miteinander zu verknüpfen. Immer häufiger zu sehen sind auch Tablets, die als digitale Assistenzsysteme insbesondere für das Verkaufspersonal genutzt werden (40 Prozent). Die Mitarbeiter können so Produktinformationen und kanalübergreifende Daten per Fingertipp abrufen und z. B. für Kunden vor Ort digitale Bestellungen eingeben. In den letzten Jahren wurden außerdem Verbesserungen bei der elektronischen Regalkennzeichnung erzielt, was Lesbarkeit und Energieverbrauch betrifft. Wirklich durchsetzen konnten sie sich jedoch nur im Lebensmittelsektor (80 Prozent).

Bestandsmanagement im kanalübergreifenden Vertrieb

Natürlich müssen auch die Warenbestände angeglichen und über die verschiedenen Kanäle hinweg transparent gehalten werden. Wenn z. B. ein Artikel online per „Klicken & Reservieren“ zurückgelegt wird, müssen die Mitarbeiter im Ladengeschäft idealerweise in Echtzeit von dieser Bestandsänderung erfahren und umgekehrt. Sind die deutschen Einzelhändler also gut vorbereitet? 59 Prozent der Befragten gaben an, dass das Bestandsmanagement ihres Ladengeschäfts automatisch mit den Informationen aus den digitalen Kanälen aktualisiert wird. Bei weiteren 23 Prozent ist dies noch nicht gewährleistet, soll jedoch nach eigenen Aussagen in Kürze realisiert werden. Beim Echtzeit-Tracking der Bestände im physischen Geschäft hingegen steht der Einzelhandel noch ganz am Anfang: Derzeit verfügen nur 5 Prozent der Befragten über entsprechende Technologien wie Regalsensoren, RFID, HD-Kameras etc.

Investieren in die Zukunft – in ein besseres Einkaufserlebnis

Insgesamt kann man aktuell durchaus von einem Umdenken bei den Betreibern physischer Ladengeschäfte im deutschen Einzelhandel sprechen. 2015 waren viele von ihnen noch unsicher, wie sie auf den unaufhaltsamen Wandel durch die neuen Einflüsse des E-Commerce reagieren sollten. Inzwischen sind sie zum Kampf übergegangen, stocken ihre Investitionen auf und lassen Budgets nicht nur in Online-Aktivitäten fließen. Im Gegenteil: Der Trend zeigt eine deutliche Aufrüstung physischer Verkaufsumgebungen, um sie zu einem zentralen Bestandteil der kanalübergreifenden Strategie zu machen und das Kundenerlebnis zu verbessern.

Nähere Informationen finden Sie im EHI-Whitepaper. Noch mehr zum Thema In-Store erfahren Sie in diesen Panasonic Whitepapers.

Gern würde ich auch Ihre Meinung erfahren. Was denken Sie zu diesem Thema? Welche Digitalisierungstrends sind Ihnen im Einzelhandel aufgefallen – in Großbritannien, Europa und anderen Ländern?