• Warner Bros filmt weihnachtliche Fantasy-Serie mit VariCam 35

Warner Bros filmt weihnachtliche Fantasy-Serie mit VariCam 35

Seit den 1960er Jahren strahlt das schwedische Fernsehen stets eine spezielle Vorweihnachtsserie aus, die die Zeit bis Heiligabend verkürzt. Die diesjährige Serie drehte Warner Brothers Sweden bis in die erste Maiwoche in Stockholm mit einer Panasonic Varicam 35.

Ich erfuhr, dass die Filmemacher ein beeindruckendes Setup verwenden würden, weswegen ich einen Besuch am Set arrangierte. Es dauerte nicht lange, bis ich mich auf einer der größten Tonbühnen Schwedens am Hauptsitz des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Stockholm wiederfand. Cast und Crew waren sehr beschäftigt, weswegen ich nur auf Zehenspitzen um das Studio herumschleichen konnte. Aber das Set war beeindruckend!  Eine gigantische Filmleinwand – 10 Meter hoch und 16 Meter breit – wurde speziell für dieses Projekt konstruiert. Mit dieser Größe stellt die Leinwand fast alle kommerziellen Kinoleinwände hier in Schweden in den Schatten.

Think Big! Die Absichten der Filmemacher in dieser Einstellung der Frontprojektion für den diesjährigen Weihnachtskalender. Die riesige Kinoleinwand - 16 Meter in der Breite - wurde speziell für dieses Projekt angefertigt und ist hier im Hintergrund zu sehen. Die VariCam 35 erwies sich für die Aufnahmen als unverzichtbar.

In kurzer Entfernung zu der Leinwand haben die Filmemacher eine erhöhte Plattform errichtet, auf der die drei jungen Schauspieler arbeiten. Sie sind als Astronauten verkleidet und das Set-Design zeigt eine Welt mit Vulkanen und geschmolzener Lava, weshalb das auf die Leinwand projizierte Videobild entsprechend dunkel, bedrohlich und feuerrot ist. Das Licht im Studio ist sehr gedämpft und schafft eine Balance zwischen der Ausleuchtung der Schauspieler und dem Bild auf der riesigen Leinwand.

Kameramann diese Serie ist Andres Rignell, FSF, der während einer kurzen Pause zwischen den Aufnahmen so nett war, seine Erfahrungen mit der Panasonic VariCam bei diesem Projekt zu teilen. Die Serie ist recht einzigartig, da sie mit Tord Danielsson und Oskar Mellander zwei Regisseure hat. Andres traf Tord Danielsson letztes Jahr zufällig, als sie an verschiedenen Projekten derselben Produktionsfirma arbeiteten. Sie kamen gut miteinander klar und wenige Monate später boten Tord und Oskar ihm den Job als Kameramann für diese Vorweihnachtsserie an.

Die Vorproduktion dieses ambitionierten Projekts war ziemlich zeitaufwändig und Andres konnte sich nicht immer in dem Maße  daran beteiligen, wie er es gerne getan hätte, da er noch mit einem anderen Filmprojekt beschäftigt war. Eine der wichtigsten Aufgaben in der Vorproduktionsphase war es zu verifizieren, dass das von Tord und Oskar favorisierte Frontprojektionskonzept tatsächlich funktioniert. Zu diesem Zweck wurde ein deutlich kleineres Frontprojektions-Setup konstruiert und mit der Kamera getestet, die die Filmemacher für die gesamte Serie ursprünglich vorgesehen hatten. Dabei zeigte sich, dass die Kamera mit den Schwachlichtbedingungen, die für dieses Frontprojektions-Setup erforderlich sind, nicht zurechtkam. Um überhaupt ein Bild zu erhalten, musste man die Kamera bis an die Grenze ausreizen, was zu einer nicht akzeptablen Körnigkeit der Aufnahmen führte.

Der Mann und die Kamera: Andres Rignell, FSF, und die Panasonic Varicam 35.

An diesem Punkt schlug Andres den beiden Regisseuren vor, für alle Frontprojektionsaufnahmen eine Panasonic VariCam einzusetzen. Andere prominente Kameraleute, wie beispielsweise John Christian Rosenlund, FNF, in Norwegen hatten bereits bestätigt, dass die VariCam-Systeme tatsächlich brauchbare Bilder bei wenig Licht liefern, wo andere Kameras komplett versagen. Daher war sich Andres ziemlich sicher, dass der native ISO-5.000-Sensor der VariCam von großem Vorteil für das Projekt wäre. Tatsächlich zeigte es sich, dass es gar nicht so leicht war, auf die Schnelle in Stockholm eine VariCam zu bekommen. Aber glücklicherweise konnte Andres sich eine VariCam 35 bei einem Kollegen, dem Kameramann Michael Kaare Petersen, FSF, besorgen.

An dieser Stelle musste Andres das Gespräch unterbrechen, da Cast und Crew für die nächste Aufnahme wieder zurück zum Set mussten. Glücklicherweise waren die Aufnahmen schnell im Kasten und das Interview konnte fortgesetzt werden. Diesmal stand auch einer der Regisseure, Oskar Mellander, für Fragen bereit. Oskar Mellander ist auch das technische Mastermind hinter diesem Projekt.  Der Sensor der VariCam wurde ursprünglich als eine ISO-5.000-Einheit konzipiert und sorgt für einen erstklassigen Dynamikbereich bei dieser ISO-Einstellung. Die Kamera liefert bei extrem schlechten Lichtverhältnissen eine sehr cinematische zufällige Körnung, die nicht durch den Sensor vorgegeben ist und sehr nach einer Filmkörnung aussieht. Infolgedessen liefert die VariCam filmähnliche Bilder, und da Oskar bei den Frontprojektionsaufnahmen die Bildsprache der 1960er und 1970er Jahre haben wollte, ist er sehr zufrieden mit den Aufnahmeergebnissen.

Die kreative Schaltzentrale. Regisseur Oskar Mellander überwacht jedes kleinste Detail über den kleinen Wald von Computerbildschirmen.

Andres setzt den vom Regisseur gewünschten teilweisen Retro-Look durch die Verwendung von Lampen mit Wolframbirnen am Set um. Das Ergebnis, wie es auf den großen Monitoren am Set zu sehen ist, ist wirklich toll.

Andres führt weiter aus, warum die VariCam so nützlich für die Arbeit ist. Er erklärt, dass es nicht ausgereicht hat, einfach ein brauchbares Bild von der Leinwand aufzunehmen, sondern, dass sie auch in der Lage sein wollten, die Blende des Objektivs zu verändern, um eine sinnvolle Schärfentiefe zu erzielen. Die Kamera-Crew blendet das Canon 17-120mm Zoom-Objektiv, das für die gesamte Produktion verwendet wird, schrittweise bis T2,8 – T4 auf. Dies liefert ein schön definiertes Bild der Projektionsleinwand und nicht einfach nur eine verschwommene Fläche hinter den Schauspielern. Ein weiteres heikles Thema im Zusammenhang mit dem Frontprojektions-Setup war, dass jegliches Licht im Studio das projizierte Bild auf der Leinwand blasser macht und daher insbesondere die Lichtquellen direkt vor den Schauspielern auf eine sehr niedrige Lichtstärke eingestellt werden mussten. Andres wählte an der VariCam die ISO-Einstellung 6.400, um bei diesen Lichtverhältnissen arbeiten zu können.

Oskar erläutert, dass es sich bei dem projizierten Material um digitales Videomaterial mit einer enormen Auflösung handelt. Nur so ist es möglich, auch nur Teilausschnitte davon wählen und auf der Leinwand als 30-Sekunden-Schleife laufen lassen zu können. Eine Frontprojektion wie diese hat die Serie erst möglich gemacht, denn alles mit einem Greenscreen zu drehen, wäre aufgrund des nötigen Zeitaufwandes nicht machbar gewesen. Gegenüber im „Video-Village“ hat Oskar einen kleinen Wald aus Computerbildschirmen, an denen er das digitale Bildmaterial zum Projektor überträgt und die Qualität des Endbildes überprüft. Er achtet besonders darauf, übermäßig niedrige Werte zu vermeiden, die später zu einem starken Bildrauschen führen könnten, was erstaunlicherweise bisher kein Problem war. Die Filmemacher drehen mit einer 4K-Auflösung im AVC intraCodec-Format der VariCam. Das Endergebnis wird später mit 1.920 x 1.080 gesendet, sodass eine Menge Qualität für die Bearbeitung bleibt.

Filmstart (von links nach rechts): Vincent Wettergren, Monna Orraryd und Naima Palmér sind die Stars der Show.